Montag, 16. Januar 2012

Ballons fliegen nicht, sondern fahren

Bestimmt haben sie schon oft gehört, dass wenn über einen Heißluftballon gesprochen wird, wahlweise die Verben fahren oder fliegen an das Wort Ballon angehängt werden.
Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob beides richtig oder ob nur eine Variante die das Erobern der Lüfte in einem Korb, an einem Ballon hängend beschreibt, die korrekte Bezeichnung ist.
Vorweg, ohne groß rumzueiern, die richtige Bezeichnung ist Ballonfahren und nicht Ballonfliegen!

Warum es Ballonfahren und nicht Ballonfliegen heißt, begründet sich gleich aus drei oder sogar noch mehr  unterschiedlichen Begebenheiten und Eigenschaften heraus, die untereinander jedoch in keinem Zusammenhang stehen. So gibt es neben vielen variierenden, einen physikalischen sowie einen historisch begründete Erklärung.

Die physische Begründung bezieht sich auf die Tatsache, dass ein Ballon, ganz gleich ob ein Gasballon oder ein Ballon der mit heißer Luft befüllt ist, ein Aerostate ist. Dies bedeutet, dass sich ein Ballon, im Gegensatz zu fast allen anderen Luftvehikeln wie Flugzeug, Hubschrauber oder Drachenflieger, im Einklang bzw. nach den Gesetzen der Aerostatik bewegt. - Und alles was sich nach diesem Gesetz bewegt, fährt eben nicht, sondern fliegt.
Das genaue Prinzip der Aerostatik, das auf den berühmten Satz des Archimedes zurückgeht und bereits knapp 250 Jahre vor Christus Geburt das erste mal notiert wurde, lässt sich am besten mit  der eigentlichen Funktionsweise die ein Aufsteigen eines Ballons erst möglich macht, erklären:
Der Ballon ist mit heißer Luft oder Gas befüllt, welche eine geringere Dichte aufweist als die normale Umgebungsluft die sich um den Ballon herum befindet. Geringere Dichte bedeutet auch immer gleichzeitig weniger Gewicht, wodurch der Ballon dann wie von Geisterhand nach oben steigt. Wie wir gelernt haben, ganz den Gesetzen des Archimedes und der Aerostatik folgend. 

Eine weitere Begründung, welche die Frage nach fliegen oder fahren beantwortet, liegt in der Historie des Ballonfahren begründet. Als die Gebrüder Montgolfiere im Jahr 1783 das Ballonfahren erfunden haben, bezeichneten diese beiden Pioniere des Luftsport den Himmel als  Luftmeer. Da schiffe im Meer fahren, hat sich der Begriff des in der Luft fahren, so man denn in einem Ballon unterwegs ist. Es wurden also schlicht und einfach die regeln der Seefahrt übernommen. Das eine tiefer begründete Philosophie hinter der Bezeichnung Ballonfahren anstelle von Ballonfliegen steht ist eher zu bezweifeln. Historisch betrachtet ist das Fahren in einem Ballon wohl eher dem Zufall geschuldet. Wichtig ist, bei Blick auf diese historische Begründung, dass es vor dem Ballonfahren noch keine andere Variante des Fliegens gab, so dass der Begriff des Fliegens, noch gar nicht so eng mit dem Aufsteigen in die Lüfte verbunden war, wie dies heute der Fall ist. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Bezeichnung des Ballonfahrens, exklusiv in der deutschen Sprache verwendet wird. In allen anderen Ländern der Erde fliegt man mit einem Ballon. - Auch im Französischen, gleichwohl die Pioniere des Luftsport und Ballonfahren französischsprachig waren.

Zwar gibt es, wie bereits angeschnitten, noch zahlreich weitere Ansätze, welche die Bezeichnung des „Ballonfahren“ begründen, doch ist es eher zu bezweifeln bis zu ausgeschlossen, dass eine dieser teilweise abenteuerlichen Erklärungsansätze, auch nur in einem Zusammenhang mit der Wortschöpfung Ballonfahren anstelle von Ballonfliegen stehen.

Jeder der selbst einmal das Glück hatte einer Ballonfahrt beizuwohnen, der wird bestätigen können, dass das Ballonfahren vielmehr einem Schweben und Gleiten entspricht, als einem Flug. Schließlich gibt es ja auch keinen Fahrtwind, da sich der Ballon ja stets mit der selben Geschwindigkeit bewegt, wie dies der Wind tut. Auch ist es fast vollkommen geräuschlos in einem Ballon den Himmel zu erobern und mit dem Lärm und Getöse was andere Fluggeräte erzeugen, nicht ansatzweise vergleichbar.

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